FST 065   V.A. - THE SOUND OF LEAMINGTON SPA 5

 

          

  1. Nine Steps To Ugly - Eddie Lopez Lives In Slough
  2. Perfect - Desire
  3. A Strange Desire - Promise To Lie
  4. On The Waterfront - Mrs. Harrington
  5. The Shrew Kings - Losing My Cool
  6. The Incredible Blondes - Forever (Swansong)
  7. No Flags etc - Rubble
  8. This Poison! - Driving Skills
  9. Carpenter Joe - The Path Of Most Resistance
  10. Kid Sinister - The Cradle Born
  11. Almost Charlotte - Frustration
  12. Men Of Westenesse - Boating
  13. The Honeymooners - Untitled
  14. Action Painting! - Boy Meets World (alt version)
  15. Black Cillas - Sebastian
  16. The Thieves - And Then He Died
  17. Ade Moose and Walker - Lounge Around
  18. The Wildhouse - Ficca

 

Heute heißen die Bands Maximo Park, Futureheads und Franz Ferdinand, die vom NME eine Lobesrakete ins Hinterteil geschoben bekommen und in den POPolymp, zumindest für eine Saison, geschossen werden. In den 80ern hatten solche Bands Namen wie The Wedding Present, Talulah Gosh, The Pastels und Felt, mal ganz zu schweigen von der Überband The Smith. Solche ins Rampenlicht  gezerrte Bands verursachen in der jeweiligen Szene immer massenhaftig Bandgründungen, Träume vom ganz großen Glück und die Vorfreude endlich mehr „Girls“ an der Hand als Pickel im Gesicht zu haben. Doch meist platzt der Traum und ehe man sich versieht, ist wieder Pickelzählen angesagt. Doch genau in dieser Masse an Unentdecktem schlummern Schätze, die es ans Licht zu bugsieren gilt. Zwar nicht ins Rampenlicht, denn was damals schon nicht gelungen ist, gelingt heute erst recht nicht mehr, aber  zumindest als strahlende Fußnote der abseitigen Popgeschichte. Das Berliner Label Firestation Records (in Kooperation mit Clarendon und Bilberry) hat sich mit der Serie „The Sound of Leamington Spa“ den Bands verschrieben, die es Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre mit ihrem Jingle-Jangle-Gitarrensound nicht bis auf das Titelbild der weekly Press in England geschafft haben. Volume 5 wartet, wie schon die Sampler zuvor, mit einem Sammelsurium an Bands auf, die im weitesten Sinne der damaligen C-86 und beginnenden Manchaster Rave Szene, der frühen 90er, zuzuordnen sind. Hier wird ein Garten gehegt und gepflegt, der nahezu verschollen galt. Und ist es nicht genau das, was es ausmacht? Das 189 Denkmal der Smith muss man nicht ein weiteres Mal meißeln, die sind sowieso unantastbar, werden mit der Zeit eher krummer und tragen ihre Last mit der ökonomischen Auswertung des Backkatalogs. Bands wie This Poison!, The Shrew Kings, Action Painting!, Nine Steps to Ugly muss man einfach mal gehört haben, wenn man sich auch nur ansatzweise für Gitarrenpop-Musik abseits des Mainstreams interessiert und sind wir mal ehrlich, das behauptet doch jeder von uns. Bei „The Sound of Leamington Spa“ kann man die DIY Herangehensweise so richtig hören. Keine Überproduktion verhunzt den Hörgenuss, sondern holpernder „ich zeig’s euch allen und besondern mir“ Beat unterfordert die Anlagenboxen. Und wenn man mal wissen möchte, wo Herr Carsten Friedrichs von Superpunk neben dem Soulacker auf Zitatsuche geht, der sollte mal eben bei dem kritikgegenständlichen Sampler vorbeischauen. Nebenbei sei noch erwähnt, dass das Spezialgebiet von Firestation Records sich nicht nur auf Vergangenes beschränkt, sondern auch auf allzu Gegenwärtiges abzielt. Bands wie Labrador, und Sealevel sind aktuelle Bands, die sicherlich in zwölf Jahren aus der Geschichtsversenkung gezogen werden. Aber warum die nicht schon jetzt hören. Denn solche Sampler geben einem auch immer zu bedenken, dass es auch noch etwas anderes gibt, als das, was einem die Speisekarte der einschlägigen, aktuellen Hypepresse vorknödelt. Also heiliger BimBam Augen und Ohren auf!

 

Andreas Knauf

 

 www.hochverdichtet.de

 


 

Verglichen mit der Sound of Leamington Spa-Serie nimmt sich die kürzlich in der Rough Trade Shops-Reihe erschienene Indiepop-Compilation wie purer Mainstream
aus. Das ist natürlich Quatsch, denn was dort zusammengestellt worden ist, fasst mit Primal Scream, My Bloody Valentine, Josef K, The Field Mice und 42 (!) anderen Bands zweifellos die formgebenden Wegbereiter dieses melodiös schraddeligen Pop-Empfindens zusammen, das Firestation nun zum fünften Mal in Leamington Spa verorten. Mit ihrem dezidierten Geschichtsbewusstsein entwickeln sich FST
dabei langsam zu den Soul Jazz des Indiepops. Auch wenn ich bei den 19 hier versammelten Bands gerade mal bei This Poison! und Action Painting wissend nicken
kann, so liegt doch das Tolle dieser Reihe gerade in der nerdhaften Freude am Raren und Obskuren. Dass es sich dabei in der Regel lediglich um Fussnoten der
Pop-Geschichte handelt, macht die Sache nicht uninteressanter. Hier gibt es wahre Perlen zu entdecken, die beweisen, dass die 80er einen ausgesprochen agilen Pop-Underground aufzuweisen hatten. Dass Firestation dieses Wissen mit uns teilen, ist ihnen hoch anzurechnen.

              
Notes, 115, September 2005


 

can't really think of a compilation/reissue series packaged as well as the "Sound Of Leamington Spa" series. Not only is just about every song top-notch, but there's a short biography/writing from each of the bands (usually about twenty, give or take a few). Also, this fifth volume seems to have more previously unreleased songs on it than the others, including the original version of "Boy Meets World" from the debut Action Painting! 7", a song from a group called Perfect that never actually got around to releasing anything, and a song from This Poison! that would've been exclusive, had the band's retrospective on Egg Records not come out at the same time. The sound of these bands is the same late-80s British jangly pop that's typical for these compilations, though there are a few exceptions, like the VU-ish lo-fi sound of the Shrew Kings, the Steely Dan-ish track from Incredible Blondes and the song from Kid Sinister (one of the few I didn't enjoy) that sounded way too much like Spandau Ballet. Some of the disc's many highlights include old favorites like Nine Steps To Ugly (whose "Eddie Lopez Lives In Slough" is one of the few songs I'd actually heard before) and Men Of Westnesse, as well as a bevy of new discoveries, like A Strange Desire, Wildhouse, The Thieves (featuring a pre-Cosmic Rough Riders Daniel Wylie), Gradapenda Rosindale (the "youngest" band, as this recordings is from '93) and the afore-mentioned Perfect. Another fine entry in the finest of indiepop-reissue series!   


 

In Zeiten hoch entwickelter Aufnahmenmöglichkeiten und perfekt durchgestylter Popbands, ist das Hören dieses Samplers, wie die Reise in Zeiten, an die sich niemand mehr erinnern kann. Insofern Neuland für bestimmt Viele.
Leicht verstimmte Gitarren, ein holpriges, simples Schlagzeug und Gesänge in Sonne getaucht, so erscheint mir der Sound der meisten Songs von LEAMINGTON SPA Volume 5 beim ersten Hören.
Während die Opener “Nine Steps to Ugly” niedliche Gitarren Pop Musik machen und in ihrer Sängerin einen klaren Pluspunkt haben, klingen Bands wie “Perfect” oder die folgenden Bands wie ihre nicht ganz ausgereifte, aber deshalb gerade sympathische Variante von Style Council, Beautiful South oder BILLY BRAGG. Teilweise sehr klassische und in dieser Form fast verschollene Gitarren Pop Musik.
Für Menschen, die seltenes entdecken möchten und auch mit nicht perfektem leben können, den Charme aus der Unvollkommenheit ziehen, ist dieser Sampler ein Goldstück. Besonders im Sommer, da er vor Unschuldigkeit strotzt.

                               www.britpoparsenal.de


 

südöstlich von birmingham liegt (royal) leamington spa, das mit seinem slogan “u will love it” für exquisites shoppen, freizeitaktivitäten und kulinarisches wirbt.
auf musikalischer ebene hat dieser ort eher wenig zu bieten. vielleicht wurde er genau deshalb als titel für ein album mit längst vergessenen oder niemals bekannten künstlern gewählt: bands aus den 1980er jahren, deren namen man nicht mal gehört haben muss. die eine oder andere befindet sich vielleicht noch auf einer heimlich aufgenommenen john peel session. clarendon records (london), firestation records (berlin) und bilberry records (bielefeldt) sind anscheinend schon immer john peel und britpop fans gewesen und haben fleißig gesammelt, um diese vielen kleinen aber feinen perlen wieder aus dem schmuckkästen herauszuholen und auf eine cd zu pressen, um ihnen die ehre zu erweisen, die sie längst verdient haben.
musikalische vergleiche gibt es zu hauf. sie reichen von den beatles über the smiths und the charlatans bis hin zu sonic youth und stereolab, aber auch die frühen pogues, blondie und sogar spandau ballett (in „kid sinister’s“ „the cradle born“) sind rauszuhören: ein bunter mix, der beim ersten hören trotz verschiedener stimmen vielleicht eintönig klingen mag. beim häufigeren reinhören wird’s immer vielschichtiger und spannender und manchmal möchte man gar vom stuhl springen und durchs zimmer tanzen. dann verwundert es, warum der lemonhead-song „mrs. robinson“ zum hit geworden ist und nicht on the waterfront’s „mrs. harrington“.
für alle, die mehr über the incredible blondes, the honeymooners und all die vergessenen perlen aus den 1980er wissen möchte, liefert das 24seitige booklet bandgeschichten und „photos with cheesy fashion and hairstyle“. u will love it.
(sz)

                                www.revolver-club.de


 

wer unter uns die 30 bereits überschritten hat, kennt die wurzeln heutigen indie-pops aus eigener tuchfühlung: wir erinnern uns an die anfänge von primal scream, der pastels, an wedding present, die primitives, natürlich die smiths, frühe james und blur und soup dragons, viele wissen von talulah gosh, den tv personalities oder shop assistants. was ein echter crack war, der kennt vielleicht mehr namen: 14 iced bears, flatmates, the clouds, close lobsters, jasmine minks oder biff bang pow. und nun rufe laut „hier!“, wer schon mal von a strange desire, den honeymooners, shrew kings oder nine steps to ugly gehört hat. ich jedenfalls nicht. und so wirkte der empfang dieser cd beinahe wie ein schock: 19 tracks aus der zeit, als britannien der gitarre wieder das jingeln, jangeln, schrammeln und twang!en beibrachte, während auf seiten der breiten volkswahrnehmung gegelte tollen über fabelgesichtern den komerzialisierten new wave in form von new romantic feierte oder pop in erster linie mit spandau ballet oder abc verbunden wurde.
doch schon damals formierten sich in allen ecken des königreichs „angry young men“, die gar nicht angry waren, sondern freundlich gesinnt, die das gegenteil von gestylt waren und in ihrem charmanten, unschuldigen aussehen eine band wie franz ferdinand mit leichtigkeit von der bühne fegen würden. in dieser zeit wurden trotz eines gemeinschaftsgefühls die wurzeln für eine individualität im indiepop gelegt. zwischen smart, adrett und wild und strubbelhaarig sahen alle gut aus und zwischen überschwänglichem pop samt streichereinsatz und minimal punkigen nach-vorne-geschrammel ging plötzlich alles, immer mit blick auf die sechziger jahre und die perfekte popmelodie.
in dieser zeit besuchte auch jan kühn seine lieblingsinsel und ließ sich mit pop und northern soul aus dem kassettenfach des autoradios den wind durch die haare wehen. ein gutes jahrzehnt später sollte er mit seinen labelmates beginnen, die beeindruckendste sammlung aus popsingles jener zeit zu starten, die in ihrer machart höchstens mit den einst so hippen northern-soul-samplern auf kent vergleichbar ist.
mittlerweile ist „ the sound of leamington spa“ bei ausgabe 5 gelandet und man kann gar nicht fassen, wieviel gitarrenpop-perlen das rührige berliner label immer wieder auftut und der nachwelt verfügbar macht. wer „forever (swansong)“ von the incredible blondes hört, wird nicht verstehen, warum ein solcher song seinerzeit nicht weltweit auf platz 1 aller charts stand. er wird voller entzücken versuchen, mehr von den unglaublichen honeymooners aufzutun und sich daran die zähne ausbeißen. 90 % der vertretenen bands haben höchstens eine handvoll extrem schwer erhältlicher singles herausgebracht, obwohl jeder track für sich ein wunderschönes erlebnis ist und man den damaligen protagonisten wirklich mehr vom erfolgskuchen gegönnt hätte.
aber wenigstens betreibt ein label wie firestation records (in zusammenarbeit mit clarendon in england und bilberry in bielefeld) diese geschichtliche aufarbeitung. man kann ihnen dafür nicht genug danken. ich habe mir sofort auch die ersten vier teile der serie zugelegt. von ausfällen keine spur. ein song schöner, schillernder und aufregender als der andere. ich freue mich schon jetzt auf volume 6!


www.popfiction.de

martin

 

____________________________________

 

Zugegeben, der Sampler "The Sound Of Leamington Spa Vol. 5" ist eine echte Nerd-Scheibe. Wer sonst sollte Interesse an unbekannten britischen Bands der späten 80er-Jahre haben? Doch halt, da war doch was? Genau, England in den späten 80ern, das war Musik zwischen den Smiths und den großen Namen des C86-Sounds von den Brilliant Corners bis zu den Chesterfields. Ohne diese Bands war weder der britische Rave noch der Britpop unserer Tage denkbar. Den Machern der Samplerreihe "The Sound Of Leamington Spa" ist es zu danken, dass all die Bands, die typisch waren für diese vielleicht fruchtbarste Zeit der britischen Popmusik, nicht völlig aus dem Gedächtnis verschwinden. Das wäre schade, denn mal abgesehen von dem naturgemäß etwas homerecordingmäßigen Sound mancher Stücke, gibt es hier doch auch wunderbare Perlen zu entdecken. Für Spätgeborene eine erhellende Reise in die Popgeschichte, für die Älteren ein zu entdeckendes Stück der eigenen Vergangenheit. Schließlich konnte man sich damals nicht jede spannende Single kaufen. Leamington Spa, ein kleines Kurstädtchen und sicherlich Hort provinzieller Langeweile, war übrigens der Standort von John A. Rivers Woodbine Studios und damit für Freunde des britischen Gitarrenpops ein Wallfahrtsort. Aber das nur nebenbei!


Carsten Wilhelm


www.gaesteliste.de

____________________________________

 

 

 

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie die frühen 80er jenseits von Formel Eins und Co. auf dem Mutterland des 3/4 Taktes klangen, der findet auf dieser 5. Kompilation auf Firestation Records Antworten.
Blechern und mit viel Hall versehen, das eint die Stücke und deren Macher. Verzicht auf maskulines Getue, manch einer würde es gar homophil nennen, haben die Bands mit den Namen u.a. Nine Steps To Ugly, Perfect,
The Thieves, On the Waterfront, Black Cillas, Action Painting!, Almost Charlotte, The Wildhouse oder the Honeymooners gemein. Gesangliche Disharmonien und dünnblättrige Produktionen werden kompensiert durch Charme, Authentizität und jeglichem Verzichts auf Gefühlsduselei.
Wir befinden uns am Beginn des medialen Überdrusses, als das Video die verpickelten Radiostars mit ihren langen Nasen und großen Ohren vergeblich zu töten versuchte (Ein 20 Jahre währender Langzeitversuch, dessen Spätfolgen wir heute alle ertragen!).
Es ist die Zeit, in der große Bands nach dem Untergang Margaret `s riefen und nicht wenige diesem zynisch fröhlichen Klangspiel frönten. Es ist die Zeit der Unbeachteten, der Ungehörten, zahllosen Kellermusiker.
Schafften dann doch von Zeit zu Zeit Bands wie The Primitives den Weg ans Licht und ergatterten einen Major Deal, dann verschwand schnell ihr typischer Klang, und damit ihre Möglichkeit der Zitierung des Vergangenen. Auch wenn der vorliegende Silberling nicht die erlebte Zeit aller
Betrachter trifft, ob aus biologischem Grund, das Pech der späten Geburt oder histo-rischem, die Hilflosigkeit des Eingesperrten, so hört man mit "The Sound of Leamington Spa" den Puls dieser vergangenen, verpassten Ära schlagen, und er lässt sich interpretiert von 19 Zeitzeugen in 105
Minuten stimmungsvoll erleben. Mercy.

                                                  [ las ]

                                http://www.elisabett.de