
FST 065
V.A. - THE SOUND OF
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Heute heißen die Bands Maximo Park, Futureheads und Franz Ferdinand, die vom NME eine Lobesrakete ins Hinterteil geschoben bekommen und in den POPolymp, zumindest für eine Saison, geschossen werden. In den 80ern hatten solche Bands Namen wie The Wedding Present, Talulah Gosh, The Pastels und Felt, mal ganz zu schweigen von der Überband The Smith. Solche ins Rampenlicht gezerrte Bands verursachen in der jeweiligen Szene immer massenhaftig Bandgründungen, Träume vom ganz großen Glück und die Vorfreude endlich mehr „Girls“ an der Hand als Pickel im Gesicht zu haben. Doch meist platzt der Traum und ehe man sich versieht, ist wieder Pickelzählen angesagt. Doch genau in dieser Masse an Unentdecktem schlummern Schätze, die es ans Licht zu bugsieren gilt. Zwar nicht ins Rampenlicht, denn was damals schon nicht gelungen ist, gelingt heute erst recht nicht mehr, aber zumindest als strahlende Fußnote der abseitigen Popgeschichte. Das Berliner Label Firestation Records (in Kooperation mit Clarendon und Bilberry) hat sich mit der Serie „The Sound of Leamington Spa“ den Bands verschrieben, die es Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre mit ihrem Jingle-Jangle-Gitarrensound nicht bis auf das Titelbild der weekly Press in England geschafft haben. Volume 5 wartet, wie schon die Sampler zuvor, mit einem Sammelsurium an Bands auf, die im weitesten Sinne der damaligen C-86 und beginnenden Manchaster Rave Szene, der frühen 90er, zuzuordnen sind. Hier wird ein Garten gehegt und gepflegt, der nahezu verschollen galt. Und ist es nicht genau das, was es ausmacht? Das 189 Denkmal der Smith muss man nicht ein weiteres Mal meißeln, die sind sowieso unantastbar, werden mit der Zeit eher krummer und tragen ihre Last mit der ökonomischen Auswertung des Backkatalogs. Bands wie This Poison!, The Shrew Kings, Action Painting!, Nine Steps to Ugly muss man einfach mal gehört haben, wenn man sich auch nur ansatzweise für Gitarrenpop-Musik abseits des Mainstreams interessiert und sind wir mal ehrlich, das behauptet doch jeder von uns. Bei „The Sound of Leamington Spa“ kann man die DIY Herangehensweise so richtig hören. Keine Überproduktion verhunzt den Hörgenuss, sondern holpernder „ich zeig’s euch allen und besondern mir“ Beat unterfordert die Anlagenboxen. Und wenn man mal wissen möchte, wo Herr Carsten Friedrichs von Superpunk neben dem Soulacker auf Zitatsuche geht, der sollte mal eben bei dem kritikgegenständlichen Sampler vorbeischauen. Nebenbei sei noch erwähnt, dass das Spezialgebiet von Firestation Records sich nicht nur auf Vergangenes beschränkt, sondern auch auf allzu Gegenwärtiges abzielt. Bands wie Labrador, und Sealevel sind aktuelle Bands, die sicherlich in zwölf Jahren aus der Geschichtsversenkung gezogen werden. Aber warum die nicht schon jetzt hören. Denn solche Sampler geben einem auch immer zu bedenken, dass es auch noch etwas anderes gibt, als das, was einem die Speisekarte der einschlägigen, aktuellen Hypepresse vorknödelt. Also heiliger BimBam Augen und Ohren auf!
Andreas Knauf
Verglichen
mit der Sound of Leamington Spa-Serie nimmt sich die kürzlich in der
Rough Trade Shops-Reihe erschienene Indiepop-Compilation wie purer
Mainstream
can't really think of a compilation/reissue series packaged as well as the "Sound Of Leamington Spa" series. Not only is just about every song top-notch, but there's a short biography/writing from each of the bands (usually about twenty, give or take a few). Also, this fifth volume seems to have more previously unreleased songs on it than the others, including the original version of "Boy Meets World" from the debut Action Painting! 7", a song from a group called Perfect that never actually got around to releasing anything, and a song from This Poison! that would've been exclusive, had the band's retrospective on Egg Records not come out at the same time. The sound of these bands is the same late-80s British jangly pop that's typical for these compilations, though there are a few exceptions, like the VU-ish lo-fi sound of the Shrew Kings, the Steely Dan-ish track from Incredible Blondes and the song from Kid Sinister (one of the few I didn't enjoy) that sounded way too much like Spandau Ballet. Some of the disc's many highlights include old favorites like Nine Steps To Ugly (whose "Eddie Lopez Lives In Slough" is one of the few songs I'd actually heard before) and Men Of Westnesse, as well as a bevy of new discoveries, like A Strange Desire, Wildhouse, The Thieves (featuring a pre-Cosmic Rough Riders Daniel Wylie), Gradapenda Rosindale (the "youngest" band, as this recordings is from '93) and the afore-mentioned Perfect. Another fine entry in the finest of indiepop-reissue series!
In
Zeiten hoch entwickelter Aufnahmenmöglichkeiten und perfekt
durchgestylter Popbands, ist das Hören dieses Samplers, wie die Reise
in Zeiten, an die sich niemand mehr erinnern kann. Insofern Neuland für
bestimmt Viele. südöstlich von birmingham liegt (royal) leamington spa, das mit seinem slogan “u will love it” für exquisites shoppen, freizeitaktivitäten und kulinarisches wirbt. auf musikalischer ebene hat dieser ort eher wenig zu bieten. vielleicht wurde er genau deshalb als titel für ein album mit längst vergessenen oder niemals bekannten künstlern gewählt: bands aus den 1980er jahren, deren namen man nicht mal gehört haben muss. die eine oder andere befindet sich vielleicht noch auf einer heimlich aufgenommenen john peel session. clarendon records (london), firestation records (berlin) und bilberry records (bielefeldt) sind anscheinend schon immer john peel und britpop fans gewesen und haben fleißig gesammelt, um diese vielen kleinen aber feinen perlen wieder aus dem schmuckkästen herauszuholen und auf eine cd zu pressen, um ihnen die ehre zu erweisen, die sie längst verdient haben. musikalische vergleiche gibt es zu hauf. sie reichen von den beatles über the smiths und the charlatans bis hin zu sonic youth und stereolab, aber auch die frühen pogues, blondie und sogar spandau ballett (in „kid sinister’s“ „the cradle born“) sind rauszuhören: ein bunter mix, der beim ersten hören trotz verschiedener stimmen vielleicht eintönig klingen mag. beim häufigeren reinhören wird’s immer vielschichtiger und spannender und manchmal möchte man gar vom stuhl springen und durchs zimmer tanzen. dann verwundert es, warum der lemonhead-song „mrs. robinson“ zum hit geworden ist und nicht on the waterfront’s „mrs. harrington“. für alle, die mehr über the incredible blondes, the honeymooners und all die vergessenen perlen aus den 1980er wissen möchte, liefert das 24seitige booklet bandgeschichten und „photos with cheesy fashion and hairstyle“. u will love it. (sz)
wer
unter uns die 30 bereits überschritten hat, kennt die wurzeln
heutigen indie-pops aus eigener tuchfühlung: wir erinnern uns an die
anfänge von primal scream, der pastels, an wedding present, die
primitives, natürlich die smiths, frühe james und blur und soup
dragons, viele wissen von talulah gosh, den tv personalities oder shop
assistants. was ein echter crack war, der kennt vielleicht mehr namen:
14 iced bears, flatmates, the clouds, close lobsters, jasmine minks
oder biff bang pow. und nun rufe laut „hier!“, wer schon mal von a
strange desire, den honeymooners, shrew kings oder nine steps to ugly
gehört hat. ich jedenfalls nicht. und so wirkte der empfang dieser cd
beinahe wie ein schock: 19 tracks aus der zeit, als britannien der
gitarre wieder das jingeln, jangeln, schrammeln und twang!en
beibrachte, während auf seiten der breiten volkswahrnehmung gegelte
tollen über fabelgesichtern den komerzialisierten new wave in form
von new romantic feierte oder pop in erster linie mit spandau ballet
oder abc verbunden wurde. ____________________________________
Zugegeben, der Sampler "The Sound Of Leamington Spa Vol. 5" ist eine echte Nerd-Scheibe. Wer sonst sollte Interesse an unbekannten britischen Bands der späten 80er-Jahre haben? Doch halt, da war doch was? Genau, England in den späten 80ern, das war Musik zwischen den Smiths und den großen Namen des C86-Sounds von den Brilliant Corners bis zu den Chesterfields. Ohne diese Bands war weder der britische Rave noch der Britpop unserer Tage denkbar. Den Machern der Samplerreihe "The Sound Of Leamington Spa" ist es zu danken, dass all die Bands, die typisch waren für diese vielleicht fruchtbarste Zeit der britischen Popmusik, nicht völlig aus dem Gedächtnis verschwinden. Das wäre schade, denn mal abgesehen von dem naturgemäß etwas homerecordingmäßigen Sound mancher Stücke, gibt es hier doch auch wunderbare Perlen zu entdecken. Für Spätgeborene eine erhellende Reise in die Popgeschichte, für die Älteren ein zu entdeckendes Stück der eigenen Vergangenheit. Schließlich konnte man sich damals nicht jede spannende Single kaufen. Leamington Spa, ein kleines Kurstädtchen und sicherlich Hort provinzieller Langeweile, war übrigens der Standort von John A. Rivers Woodbine Studios und damit für Freunde des britischen Gitarrenpops ein Wallfahrtsort. Aber das nur nebenbei!
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Wer sich schon immer mal
gefragt hat, wie die frühen 80er jenseits von Formel Eins und Co. auf
dem Mutterland des 3/4 Taktes klangen, der findet auf dieser 5.
Kompilation auf Firestation Records Antworten.
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